Wie aus dem Ballastberg der Petersberg wurde

Die Kirche zu Borby befindet sich auf dem heutigen Petersberg hoch oben, nördlich des Innenhafen von Eckernförde. Dass dieser Berg jedoch nicht immer so hieß, hat Ebbo Treimer für uns herausgefunden und erzählt.

Späte Ehrung für Dr. Petersen

"Die Kirche, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen sein,“ heißt es im Kirchenführer. Unsere Kirche ist damit gemeint, und der Berg heißt Petersberg. Aber nicht immer hieß er so. Früher war er der Ballastberg von Eckernförde, in der ältesten Stadtansicht von Braun und Hogenberg gut zu erkennen. Auf dieser Anhöhe, nördlich über der Stadt, steht die Kirche von Borby, eingefasst vom Friedhof, rechts darunter Ringwälle, Reste einer Burganlage.

Mittlerweile wird diese Anordnung skeptisch betrachtet, denn eine Burg unterhalb der Kirche ist militärisch nicht von Nutzen, die Kirche innerhalb der Burg anzusiedeln wenig wahrscheinlich. Unsere Borbyer Kirche steht danach auf dem Grund einer Fluchtburg mit Erdwällen und Palisaden, die vor Baubeginn der Kirche aufgegeben wurde – damals wie heute frei stehend und unübersehbar auf der Erhebung des Petersberges.

In der Zeit, als der Petersberg noch Ballastberg hieß, nutzte man seine Nähe zum Hafen und grub Steine und Sand ab – als Ballast für leer in See gehende Schiffe. Der Schiffsbetrieb nahm zu, größere Segler mit mehr Tiefgang erforderten häufiges Entschlammen des Hafens. Wie auch heute, so wurden damals schon gemeindliche Aufgaben an private Unternehmer vergeben. Dazu gehörte neben der Straßenreinigung auch das Ballastfahren zu den auslaufenden Schiffen.

Als die Stadtverantwortlichen erkannten, dass der Rest des Ballastberges doch ganz gut in die Borbyer Landschaft passt und sie auch die immer höher werdenden Haufen mit Hafenschlick loswerden mussten, schlossen sie den Ballastberg und deklarierten den Hafengrund als Ballast. Das war 1843. Eine gute Entscheidung, die uns auch den einmaligen Blick über Stadt und Bucht lässt, der durch eine etwas zaghaft dimensionierte Aussichtsplattform besonders herausgestellt werden soll, denn gerade hier erschließt sich der Reiz der alten Stadt Eckernförde als Gesamtbild mit Ostsee, Ufern, Hafen und Himmel.

Als im deutsch-dänischen Krieg 1848 bei Altenhof die Gegner aufeinandertrafen, wussten die Einheimischen, wo man gut zuschauen konnte: „Der ganze sogenannte Ballastberg bei Borby stand voll von Menschen, die den Gang des Gefechtes zum Teil durch ihre Ferngläser verfolgten. Wir Knaben hörten und sahen allerdings nur das Geknatter der Gewehre und den Rauch der Gewehrsalven ...“ (Fritz Kock: „Aus meinem Leben“.)

Nachdem der Ballastabbau ruhte, entwickelte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Stadtphysikus (Kreisarzt) Dr. Petersen, ein engagierter und betriebsamer Mann, Pläne zur Begrünung und gärtnerischen Gestaltung des ehemaligen Ballastberges. Unter seiner Leitung wurden Wege angelegt, wurde das Gelände kultiviert und bepflanzt. Petersen, auch Mitdirektor des benachbarten Marie-Louisen-Bades, kam für sämtliche Kosten dieser Maßnahme auf. Als 1897 der Borbyer Gemeinderat begann, den Straßen des Ortes Namen zu geben, erinnerte man sich an den engagierten und großzügigen Dr. Petersen: Der Ballastberg wurde zum Petersberg gemacht. Die Verstümmelung des Namens ist den vielen Jahren bis zu dieser Ehrung anzulasten.

Vielen Borbyern ist der Name „Ballastbarg“ heute noch geläufig, als ich Kind war, sprachen meistens nur die „Fremden“ vom Petersberg.

Quellen: Jahrbücher der Heimatgemeinschaft; Horst Slevogt: „Eckernförde. Die Geschichte einer deutschen Kaufmannsstadt im Herzogtum Schleswig“.