Der Kirchenführer

Der Inhalt entspricht dem gedruckten Kirchenführer von Klaus Dieter Harte-Hepp (© 1992 2. Auflage by Kirchengemeinde Borby, Borbyer Pastorenweg 1, 24340 Eckernförde, Tel. (04351 889944), zwischenzeitliche Veränderungen wurden berücksichtigt.

Liebe Besucher

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Borby grüßt Sie herzlich. Wir freuen uns über Ihren Besuch in unserer Kirche und laden Sie auch zum Besuch der Gottesdienste herzlich ein!

Wer auf Eckernförde zufährt, sieht die Borbyer Kirche schon von weitem. Wie ein Wahrzeichen und Mahnmal liegt sie mit ihrem schlanken Turm über der Stadt. „Die Kirche, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen sein“ möchte man in Abwandlung eines Jesus-Wortes sagen.

Dass sie weithin sichtbar ist, war nicht immer so; denn der jetzige Turm ist gerade erst hundert Jahre alt. Als die Kirche gebaut wurde, bot sich ein ganz anderes Bild:

Eckernförde war ein kleines Fischerdorf auf einer sandigen Halbinsel; Borby lag auf dem Nordufer der Förde, ein Bauerndorf mit einigen wenigen Fischern. Möglicherweise stand eine kleine Burg auf dem Petersberg (20 m hoch!), der Name könnte darauf hindeuten: Borby = Borgheby (Burgdorf). Eine Stadtansicht von 1588 zeigt noch eine Doppelwallanlage neben der Kirche, gefunden wurde bei Grabungen allerdings nichts mehr. Diese Burganlage und die Ykaerneburgh, die Eckernförde den Namen gegeben hat und die 1197 erstmals erwähnt wird, sind wahrscheinlich nicht identisch.

Damals – in der Mitte des 12. Jahrhunderts – gehörten Borby und ganz Schwansen – so heißt die Landschaft zwischen Förde und Schlei – zum dänischen Einflussbereich; der Dänische Wohld im Süden der Förde, ein dichter Wald, der bis Kiel reichte, war wie eine undurchdringliche Grenze nach Süden.

In jener Zeit machten sich die Bischöfe von Schleswig unter ihrem Lunder Erzbischof an die schwierige Aufgabe, das Christentum in diesem Bereich zu verwurzeln. Manchmal möchte man bezweifeln, ob sie – und wir! – dabei Erfolg gehabt haben.

Der Anfang der Mission war unruhig gewesen und von Rückschlägen geprägt: Erzbischof Ebbo von Rheims kam 822 als fränkischer Gesandter an den dänischen Hof mit der Vollmacht des Papstes, den Norden zu missionieren. Aber seine Predigt in Haithabu hatte kaum Erfolg. Ansgar, der „Missionar des Nordens“, ein Benediktinermönch aus Neu-Corvey in Westfalen, konnte 826 immerhin einige Menschen taufen, wurde aber bereits 827 vertrieben. Um 948 gab es neben dem Bistum Hamburg (831) zwar bereits drei Bistümer im Norden: Haithabu/Schleswig, Aarhus und Ripe, aber

der Rückschlag folgte bald; noch um das Jahr 1000 lag die Schleswiger Kirche in Trümmern. Erst unter dem Dänenkönig Knud dem Großen – nach 1014 – kamen ruhigere Zeiten, Zeiten des Aufbaus auch in der christlichen Kirche. 1104 wurde das Erzbistum Lund in Schweden gegründet, das sich über Dänemark und den Süden von Schweden und Norwegen erstreckte. 1123 wird das Bistum Schleswig dem neuen Erzbistum unterstellt. Gemeinsam machen sich Bischöfe und Erzbischöfe daran, das Christentum in unserer Gegend heimisch zu machen: Wo Kirche sichtbar präsent ist, kann der Glaube leichter in den Herzen der Menschen Wurzeln schlagen. So überziehen sie das Land mit einem relativ dichten Netz von kleinen Kirchen. Die Kirchen in Sieseby, in Sörup und hier in Borby beispielsweise stammen alle aus dieser Zeit zwischen 1100 und 1200.

Wann genau mit dem Bau unserer Kirche in Borby begonnen wurde, steht nicht fest; es muss zwischen 1150 und 1180 gewesen sein. Gebaut wurde mit dem Material, das in dieser Gegend reichlich vorhanden war: Feldsteine, Reste der Grundmoräne; die Bauern waren sicher froh, dass sie diese so loswurden. Man verbaute die Feldsteine so, wie sie waren, setzte sie ungeordnet aufeinander, nur für die Ecken spaltete man sie; typisch „jütisch-skandinavische Bauweise“ sagen die Fachleute. Der Bau mit Feldsteinen bedingt die Stärke der Mauern. Sie sind 1,10 bis 1,30 m dick. Gebaut wurde mit Sand und Kalk, im ältesten Teil übrigens – deutlich sichtbar – ohne ein besonderes Fundament. Nur die Fensterbögen wurden mit teuren gebrannten Ziegeln gemauert, in unserem Gebiet zum ersten Mal beim Bau der Waldemarsmauer bei Schleswig 1160 benutzt. An der Nordseite sind die romanischen Fenster noch in Originalgröße erhalten. Wahrscheinlich war die ganze Kirche von außen verputzt und gekalkt.

Zugang zur Kirche hatte man durch zwei PORTALE, im Norden das Frauenportal, jetzt vermauert; im Süden die „Mannstür“, ein rundbogiges Portal, wo zwei rötliche Granitsäulen einen Rundbogen aus Quadern tragen. Zwischen Rundbogen und Türsturz befindet sich ein Tympanon aus hellgelbem Sandstein, das nur skizzenhaft ausgeführt ist: ein bärtiger Bischof im Ornat, ein Buch (die Bibel?!) in seiner ausgestreckten linken Hand, in der Rechten den Bischofsstab, daneben ein Lamm als Christussymbol. Die westliche Hälfte des Tympanons ist entweder zerstört oder gar nicht erst begonnen: offensichtlich blieb das ganze Werk unvollendet (warum?!). Unklar bleibt auch, wer der Bischof ist und ob es sich um den Schutzheiligen der Kirche handelt (Ansgar? Hubertus?).

Einen Turm hatte diese Kirche anfangs nicht, vermutlich wohl aber einen hölzernen Glockenträger, so wie es bei den skandinavischen Kirchen häufig der Fall war.

Vermutlich gehörten anfangs das gesamte Gebiet des Ortes Eckernförde sowie das Umland zum Borbyer Kirchspiel. Eine Kirche in Eckernförde ist erst um 1220 nachweisbar; das Eckernförder Kirchspiel mit Stadt, Altenhof, Ravenshorst und Friedenshorst bildete nach seiner Ausgliederung eine Art Enklave, die bis heute vom Borbyer Gemeindegebiet umfasst wird.

Für gut hundert Jahre bot diese Dorfkirche der Bevölkerung ausreichend Platz. Dann aber – im 13. Jahrhundert – kam eine neue Siedlungswelle unter der Führung deutscher Adliger von Süden her in das Gebiet vom Dänischen Wohld bis Wittensee. Eine Erweiterung der Kirche wurde notwendig. Von außen ist diese Verlängerung des Kirchenschiffes um zwei Fensterjoche nach Westen hin deutlich zu erkennen: spitzbögige frühgotische Fenster und vor allem eine sorgfältige Mauerung viereckig zurechtgehauener Feldsteine, die über einem vorspringenden Fundament regelmäßig geschichtet sind. Das alles geschah in den Jahren kurz vor 1300. Im Zuge dieser Erweiterung wurde wohl auch die Decke des Chorraums verändert. An der Stelle der ursprünglichen Balkendecke, wie sie noch im Kirchenschiff erhalten ist, wurde ein Gewölbe geschaffen und der Rundbogen zum Kirchenschiff vergrößert. Nach wie vor hatte der Chorraum eine kleine rechteckige Tür in der Südwand, die „Priesterpforte“, die erst bei Bauarbeiten im 19. Jahrhundert weggenommen wurde.

Immer wieder erstaunt es, dass die Kirche im 13. Jahrhundert so stark vergrößert werden musste: Offenbar war die Kirche nun wirklich so sehr im Dorfe verwurzelt, dass die Menschen kamen und an den Gottesdiensten teilnahmen, auch wenn sie Sprache und Ablauf der lateinischen Messe kaum verstanden, auch wenn es in der katholischen Zeit noch keine Predigt in der Volkssprache gab, die Gläubigen vielmehr mit dem Beten des Kreuzweges und der Teilnahme an der Kommunion (Abendmahl) zufrieden sein mussten und für ihre Andacht nur die Gemälde vor Augen hatten, mit denen die Kirche ausgeschmückt war; in der nördlichen Kuppel des Chorraums ist ein kleines Probefeld der gotischen Malerei freigelegt.

Noch hatte die Kirche keinen steinernen TURM. Erst im 15. Jahrhundert wurden im Schleswiger Raum massive Türme gebaut. In jener Zeit wurde auch in Borby an einen Turm gedacht. In der westlichen Verlängerung des Kirchenschiffes wurden dicke Backsteinwände eingezogen, um so einen soliden und tragfähigen Unterbau für einen Turm zu schaffen; dass dabei die Spitzbogenfenster etwas verdeckt wurden, musste in Kauf genommen werden. Die Stadtansicht von Braun-Hogenberg von 1588 gibt diese neue Ansicht der Kirche wieder.

Der Turm erlebte dann ein wechselvolles Schicksal: am 10. 7. 1595 durch Blitzschlag zerstört, erst 50 Jahre später (1642/43) wieder in Stand gesetzt. Am 21. 2. 1718 reißt ein Orkan die Turmspitze herunter; sie wird 1724 durch ein Satteldach ersetzt. Der Turm aber bleibt reparaturanfällig, sodass er 1807 schließlich bis zur Höhe des Kirchenschiffs abgetragen wird; das Dach wird über die Turmmauern ganz nach Westen durchgezogen. Erst 1893/94 kann die Gemeinde daran denken, den jetzigen neuen Turm zu errichten und damit zugleich die Westwand zu sanieren. Nach 1953, 1971 und 1978 wurde der Turm zuletzt in den Jahren 2006/2007 in aufwendigen baulichen Schritten geschützt und gesichert.

Wir müssen noch einmal in das Mittelalter zurück. Um – oder vor – 1500 fand eine weitere bauliche Veränderung statt: an der Nordseite des Chorraumes wurde die SAKRISTEI aus Ziegelsteinen gebaut, von außen mit einem „Deutschen Band“ („Wolfszahn“) verziert, innen getragen von einem schönen Kreuzrippengewölbe.

Von 1663 an wurde die Sakristei als Begräbnisstätte der Familien Brockdorff, von Qualen und Schmidt, alle Besitzer des Gutes Windeby, genutzt. Erst 1948 wurde die Sakristei zurückgegeben. Die Steintreppe hinunter und die mit einem Tonnengewölbe versehene Gruft wurden dabei leider zugeschüttet.

Wichtig für das Erscheinungsbild der Kirche sind die Arbeiten, die 1866 vor allem an den Fenstern von Apsis und Chor sowie an der Südseite des Langhauses vorgenommen wurden (mit starken Quadern gefasst und vergrößert), und die gerade im dunklen „Nordland“ Licht in die Kirche bringen sollten.

Das INNERE DER KIRCHE wurde in den letzten Jahrzehnten völlig renoviert und dabei möglichst weit dem ursprünglichen Zustand angepasst: auffällig ist zunächst die alte HOLZDECKE, die nun endlich wieder sichtbar ist. Die Jahreszahl 1680 an einem der mittleren Balken und die Initialen der Zimmerleute weisen auf eine Renovierung hin, die nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgt ist.

Ebenfalls in der nachreformatorischen Zeit wurde an der Nordseite des Kirchenraums eine hölzerne Empore angebracht. Die vier Rundbogenfenster dort sind schon in der Ursprungszeit so hoch angeordnet worden, dass sie durch die Empore nicht zugebaut wurden oder sogar zugemauert werden mussten. Ein glücklicher Umstand, denn im Sommer 1966 ließ der damalige Kirchenvorstand die Emporen beiderseits des Kirchenschiffes wieder abreißen und hatte sicherlich auch gute Gründe dafür. Heute wäre man froh über die zusätzlichen Sitzplätze, denn zu einigen Anlässen im Jahr, besonders am Heiligen Abend, müssen immer wieder Menschen wegen Überfüllung des Kirchenraums vertröstet werden.

In jener Zeit wurde offenbar von der Gemeinde und vor allem von den Gutsbesitzern und Patronatsherren des Kirchspiels viel für die Ausgestaltung der Kirche getan: 1686 wurde der HOCHALTAR gestiftet von „H. Henning Reventlow, Ritter I. königl. Maje. zu Dänemark, Norwegen, Geheimbter (= Geheimer) und Landrath, Amptmann zu Flensburg, Erbherr auf Hemmelmark und Glasow und Fru Margaretha Reventlowen geborne Rumorin“. Gestaltet wurde der spätbarocke Altar wohl von einem unbekannten Meister der Eckernförder Gudewerdt-Schule.

In vier Etagen erhebt sich das Altarblatt mit Bildern aus den letzten Tagen des Lebens von Jesu vom Abendmahl bis zur Auferstehung, umrahmt von Putten und mit Weinreben umwundenen Säulen, auf den beiden Seiten erstaunlicherweise nur zwei der vier Evangelisten, Lukas und Markus. Allein schon durch die Marterwerkzeuge, den Engel mit Hammer und Leiter stellt der Schnitzer das Leiden Christi in den Mittelpunkt. Da ist einer, der Kreuz und Pein aus eigener Erfahrung kennt und unsere dunklen Stunden mit uns mitträgt. Da ist dieser Jesus Christus, der mitleidet mit denen, die in unserer Welt nichts zu lachen haben, und der ihr Schicksal übernimmt. Mehr: da ist der Eine, der durch sein Leiden und Sterben unser Seufzen, unsere Schuld und unseren Tod überwunden hat. „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; denn so wir leben oder sterben, wir sind des Herrn!“ Darum steht hoch oben das Auferstehungsbild und weckt die Erinnerung an jenen fröhlichen Paul-Gerhard-Vers von 1647: „Der Feind trieb groß Geschrei. Eh er’s vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwenkt fröhlich hie und da sein Fähnlein als der Held, der Feld und Mut behält.“

Auch die KANZEL stammt aus diesen Jahren um 1690, einfacher zwar als der Altar, trotzdem aber in Stil und Farbe zu ihm passend. In den Hauptfeldern sind die vier Evangelisten dargestellt, in der Mitte zwischen ihnen Christus, der seine Hand einladend, segnend erhebt, als wollte der Schnitzer an das Wort erinnern: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Die Figur im letzten Feld fehlt. Der Kanzeldeckel ist verloren gegangen.

Die Reformation mit der „Verkündung des Wortes“ hat wohl vor 1550 hier Einzug gehalten. Johannes Döling war offenbar von 1553 bis 1571 der erste lutherische Pastor der Gemeinde.

An der Nordwand zwischen Prediger und Gemeinde hängt heute das spätgotische TRIUMPHKREUZ, entstanden um 1500, das früher seinen Platz im Chorbogen hatte und so der Gemeinde immer vor Augen stand. Überraschend war bei der Restaurierung im Frühjahr 1990, dass die Rosetten nicht die Evangelisten wiedergaben, sonder rein ornamental verziert waren.

Die Nordwand trägt auch ein Gemälde des WELTGERICHTS: Christus im roten Mantel, einen Regenbogen als Zeichen des Bundes Gottes und seiner Treue hinter sich. In der linken unteren Ecke findet sich die Widmung des Malers

Magnus Paulsen, der 1726 in Eckernförde seinen Bürgereid leistete: „dieses habe ich in diese Kirche gegeben.“

Seit dem 2. Advent 2003 ziert ein VOTIVLEUCHTER von dem Metallgestalter Heiner Marten unsere Kirche. An der Nordseite des vorderen Altarraums ist er an der Wand angebracht und lädt ein, eine Kerze für einen lieben Menschen zu entzünden.

Das bedeutendste Kunstwerk, das die Kirche besitzt, ist die TAUFE, vor gut 800 Jahren von einem Steinmetz in Schweden aus gotländischem Kalkstein hergestellt. Ein ähnlicher Taufstein findet sich in der Kirche zu Sörup. Dargestellt sind Szenen aus der Geburtsgeschichte Jesu: die Geburt im Stall, Maria allerdings nicht auf Stroh, sondern in einem hölzernen Bett mit Kopfkissen und Decke, Josef hält neben ihr Wache, in der Linken eine Öllampe; aus dem Himmel reicht ein Arm die Flasche mit Salböl – Hinweis auf den Messias, den „Gesalbten“ Gottes. Herodes auf seinem Thron sieht den drei wegreitenden Königen nach. Diese huldigen dann dem Kind, anerkennen es als den Weltenherrscher und bringen ihm ihre Gaben dar. Das Kind sitzt dabei auf dem Schoß der Maria, die der Tradition entsprechend als Himmelskönigin dargestellt ist. Das einzige Bild, das den Rahmen der Geburtsszenen sprengt, zeigt Christus in seiner Funktion als Erlöser: mit dem Fuß tritt er auf den Tod und setzt ihm das Kreuz auf die Stirn. So befreit er drei Gestalten (Adam, Eva, Jesaja?! Abraham, Isaak und Jakob?! Mose, Elia und Jesaja?!) aus dem Höllenschlund. Deutlicher geht es kaum, die Zusage klarzumachen, die für die Täuflinge bei ihrer Taufe an diesem Taufstein wiederholt wird: ihr dürft zu dem gehören, der mit Recht sagen kann, „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Diesem Kind, das der Weltenherrscher ist, der die Macht hat, auch mit den Todeskräften der Welt fertig zu werden, dürfen wir unsere Kinder in der Taufe anvertrauen. Er wird sie mit seiner Kraft und seinem Segen durch ihr Leben begleiten.

Von innen ist das Taufbecken mit Kupfer ausgekleidet. Heute wird bei der Taufe allerdings eine Messingschale benutzt, die 1720 von Margaretha von Leuenburg, geb. von Ahlefeldt, gestiftet wurde.

Die jetzigen ALTARGERÄTE sind Stiftungen aus dem 18. Jahrhundert, vor allem der Familien von Qualen und Brockdorff, und spiegeln auf ihre Weise, wie Eckernförde in jenem Jahrhundert wieder zu Wohlstand und Ansehen gekommen war. Die früheren Silbergeräte sind im Dreißigjährigen Krieg Beutestücke sowohl der kaiserlichen wie auch der schwedischen Truppen geworden.

Zu den Stiftungen gehören auch die KRONLEUCHTER im Kirchenschiff, Gaben des Prinzen Heinrich von Preußen aus dem vergangenen Jahrhundert, dessen Gut Hemmelmark zum Kirchspiel Borby gehört.

Eine ORGEL gibt es in der Borbyer Kirche erst seit 1834. Bis dahin hat die Gemeinde unbegleitet gesungen. Die jetzige, dritte, Orgel stammt von dem Orgelbauer Karl Schuke, Berlin, und wurde 1978 angeschafft.

Wer die Kirche betritt oder verlässt findet sich zunächst in einem Raum von besonderer architektonischer Schönheit, dem „ALTEN TURMRAUM“, der nach der Renovierung von 1988/89 auch für die Gedenktafeln der Gefallenen des letzten Krieges einen würdigen Rahmen bietet. In einer Vitrine wird eine Bibel ausgestellt, die Pastor i. R. Johannsen und seine Frau der Kirchengemeinde im Dezember 2004 zum Geschenk gemacht haben. Es handelt sich um eine Ausgabe der „KURFÜRSTENBIBEL“ des Wolfgang Endter aus Nürnberg von 1641. Ihren Namen verdankt die Bibel den ihr beigegebenen elf Porträtstichen sächsischer Fürsten; gebräuchlich war auch ihre Bezeichnung als „Weimarer“ oder „Ernestinische“ Bibel mit Bezug auf Ernst den Frommen (1601–1675).

Nur eine der alten GLOCKEN hat die Wirren der beiden Weltkriege überstanden. Diese Glocke von 1767, nach dem Eckernförder Glockengießer Kriesche genannt, dient heute als Betglocke der Gemeinde. Drei als Ersatz für eingeschmolzene Bronzeglocken dienende Stahlglocken von 1927 hatten im Jahr 2004 ihr Bestimmung erfüllt und mussten wegen Rostfraß abgehängt werden. Durch private Spenden konnte das alte Borbyer Geläut von 1917 wieder erstehen und wurde am 5. Dezember 2005 zum 850. Geburtstag der Kirche geweiht. Die beiden neuen Glocken aus der Gießerei Petit & Edelbrock aus Gescher heißen „Hoffnung“ und „Frieden“. Sie wurden gestiftet von der Familie Maletztki und dem Ehepaar Reis und konnten mit Hilfe vieler tatkräftiger Gemeindeglieder in Betrieb genommen werden. Ganz modern ist der Antrieb. Keine Kette reißt mehr an den Glocken, sondern ein schonender Linearantrieb in Induktionstechnik bringt sie ins Schwingen.

Es ist davon auszugehen, dass die Kirche von Anfang an von einem FRIEDHOF umgeben war. Der Friedhof wird bis heute für die Bestattungen von Gemeindegliedern genutzt. Auf der Südseite von Apsis und Chor stehen drei alte Grabsteinplatten, die älteste von 1692 für die „viel ehr- und tugendsame Frau Christina Basen“, die im Alter von 37 Jahren verstorben war.

Dicht daneben finden sich die kleine, schöne Grabstätte von 1796 für Pastor Claßen und seinen Sohn sowie einige spätklassizistische Grabsteine für Mitglieder der Familien Lübbens und Kruse, typisch dabei für den Geist des angehenden 19. Jahrhunderts die Schmetterlinge als Auferstehungssymbol: in diesem Bewusstsein konnte man mit dem Sterben fertig werden, dass das menschliche Leben der Existenz einer Raupe gleicht und sich erst richtig nach dem Tod entfaltet.

In der alten Leichenhalle, jetzt „Lapidarium“ – Sammlung von Steinwerken – stehen die Sandsteinsarkophage der Familie von Qualen aus der ehemaligen Gruft (der Sakristei). Ein Sarkophag aus der ehemaligen „von Wasmerschen Gruft“, in dem der Obrist Christian von Leuenburg, Besitzer des Gutes Hemmelmark, nach seinem Tode im Jahr 1722 beigesetzt wurde, konnte im Sommer 2005 vom Turmraum hierhin überführt werden. Der Sarkophag ist mit Fahnentrophäen, Kopfmasken sterbender Krieger und Jagdsymbolen sowie dem großen Familienwappen auf dem Deckel geschmückt.

So steht die Borbyer Kirche nun über der Stadt – sichtbar für alle und möchte alle erreichen mit ihrer Botschaft von Gottes Liebe und Treue. Sie steht da mit festen Mauern, kann bergen und lädt Menschen ein, in ihr zur Ruhe zu kommen, Frieden zu finden. Seit Jahrhunderten steht sie so da – aus festen Steinen zwar und doch kein Symbol der Unbeweglichkeit, gebaut vielmehr auch aus „lebendigen Steinen“, den Gemeindegliedern und Mitarbeitern, bestrebt, Trost und Zuversicht und die Botschaft von Christi Vergebung und Befreiung dahin zu bringen, wo sie unter uns gebraucht werden.