Der Kirchenführer

Der Inhalt entspricht dem gedruckten Kirchenführer von Klaus Dieter Harte-Hepp (© 1992 2. Auflage by Kirchengemeinde Borby, Borbyer Pastorenweg 1, 24340 Eckernförde, Tel. (04351 889944), zwischenzeitliche Veränderungen wurden berücksichtigt.

Liebe Besucher
Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Borby grüßt Sie herzlich. Wir freuen uns über Ihren Besuch in unserer Kirche und laden Sie ein, ein wenig umherzugehen, ein wenig zu verweilen, ein wenig aufzuatmen. Natürlich sind Sie auch in unseren Gottesdiensten ganz herzlich willkommen!

Wer auf Eckernförde zufährt, der sieht die Borbyer Kirche schon von weitem.
Dass sie weithin sichtbar ist, war nicht immer so, denn der jetzige Turm ist erst 1893 errichtet worden.
Als die Kirche gebaut wurde, bot sich ein ganz anderes Bild: Eckernförde war ein kleines Fischerdorf auf einer sandigen Halbinsel; Borby lag auf dem Nordufer der Förde, ein Bauern­dorf mit einigen wenigen Fischern. Möglicherweise stand eine kleine Burg auf dem Petersberg (20 m hoch!), der Name könnte darauf hindeuten: Borby = Borgheby (Burgdorf).

Eine Stadtansicht von 1588 zeigt noch eine Doppelwallanla­ge neben der Kirche, gefunden wurde bei Grabungen allerdings nichts mehr. Diese Burganlage und die Ykaerneburgh, die Eckernförde den Na­men gegeben hat und die 1197 erstmals erwähnt wird, sind wahrscheinlich nicht identisch.
Damals, in der Mitte des 12. Jahrhunderts, gehörten Borby und ganz Schwansen – so heißt die Landschaft zwischen Förde und Schlei – zum dänischen Einflussbereich; der Dänische Wohld im Süden der Förde, ein dichter Wald, der bis Kiel reichte, war wie eine undurchdringliche Grenze nach Süden.
In jener Zeit machten sich die Bischöfe von Schleswig unter ihrem Lunder Erzbi­schof an die schwierige Aufgabe, das Christentum in diesem Bereich zu verwurzeln.

Der Anfang der Mission war unruhig gewesen und von Rückschlägen geprägt: Erzbischof Ebbo von Rheims kam 822 als fränkischer Gesandter an den dänischen Hof mit der Vollmacht des Papstes, den Norden zu missionieren. Aber seine Predigt in Haithabu hatte kaum Erfolg. Ansgar, der „Missionar des Nordens“, ein Benediktinermönch aus Neu-Corvey in Westfalen, konnte 826 immerhin einige Menschen taufen, wurde aber bereits 827 vertrieben.
Um 948 gab es neben dem Bistum Ham­burg (831) zwar bereits drei Bistümer im Norden: Haithabu/Schleswig, Aarhus und Ripe, aber der Rückschlag folgte bald; noch um das Jahr 1000 lag die Schleswi­ger Kirche in Trümmern. Erst unter dem Dänenkönig Knud dem Großen – nach 1014 – kamen ruhigere Zeiten, Zeiten des Aufbaus auch in der christlichen Kirche.
1104 wurde das Erzbistum Lund in Schwe­den gegründet, das sich über Däne­mark und den Süden von Schweden und Norwegen erstreckte. 1123 wird das Bistum Schleswig dem neuen Erzbistum unterstellt.
Gemeinsam machen sich Bischöfe und Erzbischöfe daran, das Christentum in unserer Gegend heimisch zu machen: Wo Kirche sichtbar präsent ist, kann der Glaube leichter in den Herzen der Men­schen Wurzeln schlagen. So überziehen sie das Land mit einem relativ dichten Netz von kleinen Kirchen.
Die Kirchen in Sieseby, in Sörup und hier in Borby beispielsweise stammen alle aus dieser Zeit zwischen 1100 und 1200. Diese Kirchen waren zugleich auch politische Symbole der Macht des Schwedischen Kö­nigs, der letztlich die Entscheidungen des Erzbischofs in Lund mit beeinflusste.

Wann genau mit dem Bau unserer Kirche in Borby begonnen wurde, steht nicht fest; es muss zwischen 1150 und 1180 gewesen sein. Gebaut wurde mit dem Material, das in dieser Gegend reichlich vorhanden war: Feldsteine, Reste der Grundmoräne; die Bauern waren sicher froh, dass sie diese so loswurden. Man verbaute die Feldsteine so, wie sie waren, setzte sie ungeordnet aufeinander, nur für die Ecken spaltete man sie; typisch „jütisch-skandinavische Bauweise“ sagen die Fachleute.
Der Bau mit Feldsteinen bedingt die Stär­ke der Mauern. Sie sind 1,10 bis 1,30 m dick. Gebaut wurde mit Sand und Kalk, im ältesten Teil übrigens – deutlich sichtbar – ohne ein besonderes Fundament. Nur die Fensterbögen wurden mit teuren gebrannten Ziegeln gemauert, in unserem Gebiet zum ersten Mal beim Bau der Waldemars­mauer bei Schleswig 1160 benutzt.
An der Nordseite sind die romanischen Fenster noch in Originalgröße erhalten. Wahrscheinlich war die ganze Kirche von außen verputzt und gekalkt.

Zugang zur Kirche hatte man durch zwei PORTALE, im Norden das Frau­enportal, jetzt vermauert; im Süden die „Mannstür“, ein rundbogiges Portal, wo zwei rötliche Granitsäulen einen Rund­bogen aus Quadern tragen. Zwischen Rund­bogen und Türsturz befindet sich ein Tympanon aus hellgelbem Sandstein, das nur skizzenhaft ausgeführt ist: ein bärtiger Bischof im Ornat, ein Buch (die Bibel?!) in seiner ausgestreckten linken Hand, in der Rechten den Bischofsstab, daneben ein Lamm als Christussymbol. Die westliche Hälfte des Tympanons ist entweder zerstört oder wurde gar nicht erst begonnen: offensichtlich blieb das ganze Werk unvollendet. Unklar bleibt auch, wer der Bischof ist und ob es sich um den Schutz­heiligen der Kirche handelt – Ansgar vielleicht oder Hubertus.

Einen Turm hatte diese Kirche anfangs nicht, vermutlich wohl aber einen hölzernen Glockenträger, so wie es bei den skandinavischen Kirchen häufig der Fall war.
Vermutlich gehörten anfangs das gesamte Gebiet des Ortes Eckernförde sowie das Umland zum Borbyer Kirchspiel.
Eine Kirche in Eckernförde ist erst um 1220 nachweisbar; das Eckernförder Kirchspiel mit Stadt, Altenhof, Ravens­horst und Friedenshorst bildete nach seiner Ausgliederung eine Art Enklave, die bis heute vom Borbyer Gemeindegebiet und dem der Kirchengemeinde Borby-Land umfasst wird.

Für gut hundert Jahre bot diese Dorfkirche der Bevölkerung ausreichend Platz. Dann aber – im 13. Jahrhundert – kam eine neue Siedlungswelle unter der Führung deutscher Adliger von Süden her in das Gebiet vom Dänischen Wohld bis Wittensee. Eine Erweiterung der Kirche wurde notwendig.
Von außen ist diese Verlängerung des Kir­chenschiffes um zwei Fenster­joche nach Westen hin deutlich zu erkennen: spitzbögige frühgotische Fenster und vor allem eine sorgfältige Mauerung viereckig zurechtgehauener Feldsteine, die über einem vorspringenden Fundament regelmäßig geschichtet sind.
Das alles geschah in den Jah­ren kurz vor 1300. Im Zuge dieser Er­weiterung wurde wohl auch die Decke des Chorraums verändert. An der Stelle der ursprünglichen Balkendecke, wie sie noch im Kirchen­schiff erhalten ist, wurde ein Gewölbe geschaffen und der Rundbogen zum Kirchen­schiff vergrößert. Nach wie vor hatte der Chorraum eine kleine rechteckige Tür in der Südwand, die „Priester­pforte“, die erst bei Bauarbeiten im 19. Jahr­hundert weggenommen wurde.
Immer wieder erstaunt es, dass die Kir­che im 13. Jahrhundert so stark vergrößert werden musste: Offenbar war die Kir­che nun wirklich so sehr im Dorfe verwurzelt, dass die Menschen kamen und an den Gottesdiensten teilnahmen, auch wenn sie Sprache und Ablauf der lateinischen Messe kaum verstanden.
Damals gab es noch keine Predigt in der Volkssprache, die Gläubigen mussten mit dem Beten des Kreuzweges und der Teil­nah­me an der Kommunion (Abendmahl) zufrieden sein; für ihre Andacht hatten sie nur die Gemälde vor Augen, mit denen die Kirche ausgeschmückt war; in der nördlichen Kuppel des Chorraums ist ein kleines Probefeld der gotischen Malerei freigelegt.

Noch hatte die Kirche keinen steinernen TURM. Erst im 15. Jahrhundert wurden im Schleswiger Raum massive Tür­me gebaut. In jener Zeit wurde auch in Borby an einen Turm gedacht. In der westlichen Verlängerung des Kirchenschiffes wurden dicke Backsteinwände eingezogen, um so einen soliden und tragfähigen Un­ter­bau für einen Turm zu schaffen; dass da­bei die Spitzbogenfenster etwas verdeckt wurden, musste in Kauf genommen werden. Die Stadtansicht von Braun-Hogen­berg von 1588 gibt diese neue Ansicht der Kirche wieder.
Der Turm erlebte dann ein wechselvolles Schicksal: am 10. 7. 1595 durch Blitz­schlag zerstört, erst 50 Jahre später (1642 /43) wieder in Stand gesetzt. Am 21. 2. 1718 reißt ein Orkan die Turmspitze herunter; sie wird 1724 durch ein Satteldach ersetzt. Der Turm aber bleibt reparaturanfällig, sodass er 1807 schließlich bis zur Höhe des Kirchenschiffs abgetragen wird; das Dach wird über die Turmmauern ganz nach Westen durchgezogen. Erst 1893/94 kann die Gemeinde daran denken, den jetzigen neuen Turm zu errichten und damit zugleich die Westwand zu sanieren.
Nach 1953, 1971 und 1978 wurde der Turm zuletzt in den Jahren 2006/2007 in aufwändigen baulichen Schritten geschützt und gesichert.

Wir müssen noch einmal in das Mit­tel­alter zurück. Um – oder vor – 1500 fand eine weitere bauliche Verän­de­rung statt: an der Nordseite des Chor­rau­mes wurde die ­SAKRISTEI aus Ziegel­stei­nen gebaut, von außen mit einem „Deut­schen Band“ („Wolfszahn“) verziert, innen getragen von einem schönen Kreuz­rippengewölbe.
Von 1663 an wurde die Sakristei als Be­gräb­nisstätte der Familien Brockdorff, von Qualen und Schmidt, alle Besitzer des Gu­tes Windeby, genutzt. Erst 1948 wurde die Sakristei zurückgegeben. Die Steintreppe hinunter und die mit einem Tonnengewöl­be versehene Gruft wurden dabei leider zugeschüttet.

Wichtig für das Erscheinungsbild der Kir­che sind die Arbeiten, die 1866 vor allem an den Fenstern von Apsis und Chor sowie an der Südseite des Langhau­ses vorgenommen wurden (mit starken Quadern gefasst und vergrößert), und die gerade im dunklen „Nordland“ Licht in die Kirche bringen sollten.

Das INNERE DER KIRCHE wurde in den letzten Jahrzehnten völlig renoviert und dabei möglichst weit dem ursprünglichen Zustand angepasst: auffällig ist zunächst die alte HOLZDECKE, die nun endlich wieder sichtbar ist. Durch Imprägnierung sind die Balken im Auflagebereich der Mauern dunkler eingefärbt. Die Jah­res­zahl 1680 an einem der mittleren Bal­ken und die Initialen der Zimmerleute weisen auf eine Renovierung hin, die nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgt ist.

Ebenfalls in der nachreformatorischen Zeit wurde an der Nordseite des Kirchenraums eine hölzerne Empore angebracht. Die vier Rundbogenfenster dort sind schon in der Ursprungszeit so hoch angeordnet worden, dass sie durch die Empore nicht zugebaut wurden oder sogar zugemauert werden mussten.
Ein glücklicher Umstand, denn im Som­mer 1966 ließ der damalige Kir­chenvor­stand die Emporen beiderseits des Kir­chen­schiffes wieder abreißen und hatte sicherlich auch gute Gründe dafür. Heute wäre man froh über die zusätzlichen Sitzplätze, denn zu einigen Anlässen im Jahresablauf, besonders am Heiligen Abend, müssen immer wieder Menschen wegen Über­füllung des Kirchenraums vertröstet werden.

In jener Zeit wurde offenbar von der Ge­meinde und vor allem von den Guts­be­sitzern und Patronatsherren des Kirchspiels viel für die Ausgestaltung der Kirche getan: 1686 wurde der HOCHALTAR gestiftet von „H. Henning Reventlow, Ritter I. königl. Maje. zu Dänemark, Norwegen, Geheimbter (= Geheimer) und Landrath, Amptmann zu Flensburg, Erbherr auf Hem­melmark und Glasow und Fru Marga­retha Reventlowen geborne Rumorin“.
Gestaltet wurde der spätbarocke Altar wohl von einem unbekannten Meister der Eckernförder Gudewerdt-Schule. Er erscheint etwas überdimensioniert und lässt den Blick auf die schöne Apsis leider nicht zu. Daraus stellt sich die Frage, ob er überhaupt für die Borbyer Kirche geschaffen oder ursprünglich für eine andere Kir­che oder ein anderes Kloster gedacht war.
In vier Etagen erhebt sich das Altarblatt mit Bildern aus den letzten Tagen des Lebens Jesu vom Abendmahl bis zur Auf­erstehung, umrahmt von Putten und mit Weinreben umwundenen Säulen, auf den beiden Seiten erstaunlicherweise nur zwei der vier Evangelisten, Matthäus und Mar­kus.
Seit dem 4. Jahrhundert werden die biblischen Evangelisten durch vier geflügelte Attribute oder Symbole dargestellt: Ein Mensch versinnbildlicht Matthäus, der Lö­we Markus, der Stier Lukas und der Adler Johannes.
Unter den Engeln, die Leiter, Hammer, Kreuz und Lanze tragen, ziert unser Altar rechts der Evangelist Markus, der mit einem geflügelten Löwen dargestellt wird, und links Matthäus, dem ein geflügeltes Menschenskind zur Seite steht.
Durch die dargestellten Marterwerkzeuge und die Kreuzigungsszene im Mittelpunkt, hat unser Altar die Anmutung eines Passi­onsaltars. Aber auch die Auferstehungs­freu­de kommt nicht zu kurz.
„Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; denn so wir leben oder sterben, wir sind des Herrn!“
Darum steht hoch oben das Auferstehungs­bild und weckt die Erinnerung an jenen fröhlichen Paul-Gerhard-Vers von 1647: „Der Feind trieb groß Geschrei. Eh er’s vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwenkt fröhlich hie und da sein Fähnlein als der Held, der Feld und Mut behält.“

An oberster Spitze ist ein Vogel erkennbar, der seine Jungen im Nest, das einer Dornenkrone gleicht, mit dem eigenen Blut tränkt.
Pelikane sind als Symbol für den Christus Teil der christlichen Ikonographie. Nach einem frühchristlichen Tierkompendium öffnet sich das Tier mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch in Bezug zum Opfertod Jesu Christi gesetzt, wodurch der Pelikan zu einem häufig verwendeten Motiv wurde.
Als Symbol für Christus und die Eu­cha­ristie findet er sich oft auch auf sakralen Gefäßen, wie dem Kelch.
Die Grundlage für diese Vorstellung liefert möglicherweise die Tatsache, dass sich die Jungen des Pelikans ihr Futter tief aus dem Kehlsack der Eltern holen, was den Ein­druck erweckt, sie würden sich an deren Brustfleisch nähren. Außerdem färbt sich beim Krauskopfpelikan während der Brut­zeit der Kehlsack rot und erinnert an eine blutige Wunde.
Vorbild für den Künstler unseres Altars wa­ren wohl Berichte erster Weltreisender, die Pelikane beobachtetet haben werden. Bei einem norddeutschen Schnitzer wurde aus einem unbekannten Pelikan schnell ein Zwitterwesen aus Adler und Schwan.

Auch die KANZEL stammt aus diesen Jahren um 1690, einfacher zwar als der Altar, trotzdem aber in Stil und Farbe zu ihm passend. In den Hauptfeldern sind die vier Evangelisten dargestellt, in der Mitte zwischen ihnen Christus, der seine Hand einladend, segnend erhebt. Die Figur im letzten Feld fehlt. Der Kanzeldeckel ist verloren gegangen.

Die Reformation mit der „Verkündung des Wortes“ hat wohl vor 1550 hier Einzug gehalten. Johannes Döling war offenbar von 1553 bis 1571 der erste lutherische Pastor der Gemeinde.
An der Nordwand zwischen Prediger und Gemeinde hängt heute das spätgotische TRIUMPHKREUZ, entstanden um 1500, das früher seinen Platz im Chor­bogen hatte und so der Gemeinde immer vor Augen stand.
Überraschend war bei der Restaurierung im Frühjahr 1990, dass die Rosetten nicht die Evangelisten wiedergaben, sonder rein ornamental verziert waren. Das tote Holz treibt Knospen und Blüten aus. Ein Hin­weis auf den Christus, der den Tod überwand.

Ebenfalls trägt die Nordwand auch ein Gemälde des WELTGERICHTS: Chris­tus im roten Mantel, einen Regenbogen als Zeichen des Bundes Gottes und seiner Treue hinter sich. In der linken unteren Ecke findet sich die Widmung des Malers Magnus Paulsen, der 1726 in Eckernförde seinen Bürgereid leistete: „dieses habe ich in diese Kirche gegeben.“

Seit dem 2. Advent 2003 ziert ein VOTIVLEUCHTER von dem Metallgestalter Hei­ner Marten unsere Kirche. An der Nord­seite des vorderen Altarraums ist er an der Wand angebracht und lädt ein, eine Kerze für einen lieben Menschen zu entzünden.

Das bedeutendste Kunstwerk, das die Kir­che besitzt, ist die TAUFE, vor gut 800 Jahren von einem Steinmetz in Schweden aus gotländischem Kalkstein hergestellt. Ein ähnlicher Taufstein findet sich in der Kirche zu Sörup.

Dargestellt sind vier Szenen aus der Geburtsgeschichte Jesu: die Geburt im Stall, Maria allerdings nicht auf Stroh, sondern in einem hölzernen Bett mit Kopf­kissen und Decke, das Kind, wie damals üblich, eng gewickelt, in einer Krippe, Jo­sef hält neben beiden Wache, in der Lin­ken eine Öllampe; aus dem Himmel reicht ein Arm möglicherweise einen Reisebeutel als Hinweis: Nimm dein Kind und fliehe! Es kann sich aber auch um eine Flasche mit Salböl handeln. Hinweis auf den Mes­sias, den „Gesalbten“ Gottes.
Herodes auf seinem Thron sieht den drei wegreitenden Königen nach. Diese huldigen dann dem Kind, anerkennen es als den Weltenherr­scher und bringen ihm ihre Ga­ben dar. Das Kind sitzt dabei auf dem Schoß der Maria, die der Tradition entsprechend als Him­mels­königin dargestellt ist.
Das einzige Bild, das den Rahmen der Ge­burtsszenen sprengt, zeigt Christus in seiner Funktion als Erlöser: mit dem Fuß tritt er auf den Tod und setzt ihm das Kreuz auf die Stirn. So befreit er drei Ge­stalten (evtl. Adam, Eva, Jesaja oder Abra­ham, Isaak und Jakob oder auch Mose, Elia und Jesaja …) aus dem Höllen­schlund.

Deutlicher geht es kaum, die Zusage klarzumachen, die für die Täuflinge bei ihrer Taufe an diesem Taufstein wiederholt wird: ihr dürft zu dem gehören, der mit Recht sagen kann „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Diesem Kind, das der Weltenherrscher ist, das die Macht hat, auch mit den Todes­kräf­­ten der Welt fertig zu werden, dürfen wir unsere Kinder in der Taufe anvertrauen. Er wird sie mit seiner Kraft und seinem Segen durch ihr Leben begleiten.

Von innen ist das Taufbecken mit Kupfer ausgekleidet. Heute wird bei der Taufe allerdings eine Messingschale benutzt, die 1720 von Margaretha von Leuenburg, geb. von Ahlefeldt, gestiftet wurde.
Am Fuß des Taufsteins sitzen vier plastische Figuren, Heilige oder Evangelisten. In den Flächen zwischen den Sitzfiguren finden sich Reliefs, zweimal ein Vogel, zwei­mal ein Palmettenmotiv.

Die jetzigen ALTARGERÄTE sind Stiftungen aus dem 18. Jahrhundert, vor allem der Familien von Qualen und Brockdorff, und spiegeln auf ihre Weise, wie Eckernförde in jenem Jahrhundert wie­der zu Wohlstand und Ansehen gekommen war. Die früheren Silbergeräte sind im Dreißigjährigen Krieg Beutestücke sowohl der kaiserlichen wie auch der schwedischen Truppen geworden.

Zu den Stiftungen gehören auch die KRONLEUCHTER im Kirchenschiff, Gaben des Prinzen Heinrich von Preußen, Bruder des letzen deutschen Kaisers, aus dem vergangenen Jahrhundert, dessen Gut Hemmelmark zum Kirchspiel Borby gehört.

Eine ORGEL gibt es in der Borbyer Kir­che erst seit 1834. Bis dahin hat die Ge­meinde unbegleitet gesungen. Die jetzige, dritte Orgel stammt von dem Orgelbauer Karl Schuke, Berlin; am zweiten Advent 1978 stellte der damalige KMD Immo Wes­nigk sie in einem Konzert der Ge­meinde vor. Ca. 2001 wurde ein der Zeit entsprechendes wärmeres Klangfundament nachintoniert.

Wer die Kirche betritt oder verlässt findet sich in einem Raum von besonderer architektonischer Schönheit, dem „ALTEN TURMRAUM“, der auch für die Gedenktafeln der Gefallenen des letzten Krieges einen würdigen Rahmen bietet.

In einer Vitrine wird eine Bibel ausgestellt, die Pastor i. R. Johannsen und seine Frau der Kirchengemeinde im Dezember 2004 zum Geschenk gemacht haben. Es handelt sich um eine Ausgabe der „KURFÜRS­TENBIBEL“ des Wolfgang Endter aus Nürnberg von 1641. Ihren Namen verdankt die Bibel den ihr beigegebenen elf Porträtstichen sächsischer Fürsten; gebräuchlich war auch ihre Bezeichnung als „Weimarer“ oder „Ernestinische“ Bibel mit Bezug auf Ernst den Frommen (1601–1675).
Nur eine der alten GLOCKEN hat die Wirren der beiden Weltkriege überstanden. Diese Glocke von 1767, nach dem Eckern­förder Glockengießer Kriesche genannt, dient heute als Betglocke der Gemeinde. Drei als Ersatz für eingeschmolzene Bron­zeglocken dienende Stahlglocken von 1927 hatten im Jahr 2004 ihre Bestim­mung erfüllt und mussten wegen Rostfraß abgehängt werden.
Durch private Spenden konnte das alte Bor­byer Geläut von 1917 wieder erstehen und wurde am 5. Dezember 2005 zum 850. Geburtstag der Kirche in Betrieb genommen.
Die beiden neuen Glocken aus der Gie­ße­rei Petit & Edelbrock aus Gescher heißen „Hoffnung“ und „Frieden“. Sie wurden gestiftet von der Familie Maletztki und dem Ehepaar Reis und konnten mit Hilfe vieler tatkräftiger Gemeindeglieder installiert werden.
Ganz modern ist der Antrieb. Keine Kette reißt mehr an den Glocken, sondern ein schonender Linearantrieb in Induktions­technik bringt sie ins Schwingen.

Es ist davon auszugehen, dass die Kir­che von Anfang an von einem KIRCHHOF umgeben war. Der Kirchhof wird bis heute für Bestattungen genutzt.

Auf der Südseite von Apsis und Chor stehen drei alte Grabsteinplatten, die älteste von 1692 für die „viel ehr- und tugendsame Frau Christina Basen“, die im Alter von 37 Jahren verstorben war. Dicht daneben finden sich die kleine, schöne Grab­stät­te von 1796 für Pastor Claßen und seinen Sohn sowie einige spätklassizistische Grabsteine für Mitglieder der Familien Lübbens und Kruse;
typisch dabei für den Geist des angehenden 19. Jahrhunderts die Schmetterlinge als Auferstehungssymbol: in diesem Be­wusstsein konnte man mit dem Sterben fertig werden, dass das menschliche Leben der Existenz einer Raupe gleicht und sich erst richtig nach dem Tod entfaltet.

In der alten Leichenhalle, jetzt „Lapida­rium“ – Sammlung von Steinwerken – stehen die Sandsteinsarkophage der Fami­lie von Qualen aus der ehemaligen Gruft unter der Sakristei.
Ein Sarkophag aus der ehemaligen „von Wasmerschen Gruft“, in dem der Obrist Christian von Leuenburg, Besitzer des Gutes Hemmelmark, nach seinem Tode im Jahr 1722 beigesetzt wurde, konnte im Som­mer 2005 vom Turmraum hierhin über­führt werden. Der Sarkophag ist mit Fahnentrophäen, Kopfmasken sterbender Krieger und Jagdsymbolen sowie dem großen Familienwappen auf dem Deckel geschmückt.

So steht die Borbyer Kirche nun über der Stadt – sichtbar für alle und möchte alle erreichen mit ihrer Botschaft von Gottes Liebe und Treue. Sie steht da mit festen Mauern, kann bergen und lädt Menschen ein, in ihr zur Ruhe zu kommen, Frieden zu finden. Seit Jahrhunderten steht sie so da – aus festen Steinen zwar und doch kein Symbol der Unbeweglichkeit, gebaut vielmehr auch aus „lebendigen Steinen“, den Gemeindegliedern und Mitarbeitenden, bestrebt, Trost und Zuversicht und die Botschaft von Christi Vergebung und Befreiung dahin zu bringen, wo sie unter uns gebraucht werden.